#InfluenceMe
Angst ist ein zentrales Thema in der Religion – und somit auch der Reformation: Angst vor gesellschaftlichem oder beruflichem Versagen, Angst vor Gottes Urteil, dem Fegefeuer und der Hölle. #InfluenceMe ist diesen Ängsten nachgegangen und setzt sie in einer tänzerischen Performance um.
Zwingli klärte die Gläubigen auf: Das Fegefeuer existiert nicht, denn es wird in der Bibel nie genannt. Ablassbriefen sind reine Heuchelei für die Kirche und für die Gläubigen. Er forderte Taten der wahrhaftigen Nächstenliebe – setzte auf Versöhnung, Selbstverantwortung und Bescheidenheit. Aber auch die Reformation kam nicht ohne das Machtmittel Angst aus:
Wie sehr diesee kirchlich-religiöse DNA uns heute prägt, ist verschieden. Längst gibt es andere Angsttreiber – etwa die auf individuellen Erfolg ausgerichtete Wirtschaft: Die Selbstverantwortung schafft heute Ängste, denn sie hat sich zur Selbstverbesserung gewandelt. Wie viel Versagensangst schaffen all die kaufbaren Mittel gegen unsere Ängste? Die Bewirtschaftung der Angst ist nach wie vor lukrativ.
#InfluenceMe hat ZürcherInnen zu ihren Ängsten befragt: Was löst Ängste aus? Wo machen sie sich im Körper bemerkbar? Aus diesen Interviews ist eine Fläche aus Soundsnippets entstanden und der Ausgangspunkt für Bewegungsmuster und Choreographien, die die Angst und deren Empfindung in Körperlichkeit übersetzen.
Von einem Veloanhänger dröhnt die Soundfläche. Sie wird live komponiert aus Interviews, Sounds und dem Herzschlag der beiden PerformerInnen. #InfluenceMe bespielt bis zu drei Zürcher Plätze pro Tag. #InfluenceMe trägt die Ängste Vieler in die Stadtöffentlichkeit. Kondensiert auf die Körper von Wenigen.
Von Juni bis September an 20 verschiedenen öffentlichen Plätzen.
Konzept & Performance: Carina A. Stiefel
Konzept & Performance: Marie-Theres Hölig
Konzept & Musik: Tobias Bienz
Ausstattung: Mikki-Levy Strasser