ZH–REFORMATION
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Das Zentrum von den

Peripherien her illuminieren

Künstlerische Forschung und Pilotprojekt Koproduktion der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, der Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not (RBS) und den Künstlerinnen Lena Maria Thüring, Brigitte Dätwyler
FORSCHUNGSPROJEKT
01.09.2017 - 31.08.2018
01.09.2017 2018-08-31 00:00:00 Europe/Zurich Das Zentrum von den Peripherien her illuminieren Forschungsprojekt - ZN-reformation test@Zn.com

Ausgehend vom Gedanken, dass sich eine Gesellschaft nicht nur vom Zentrum, also etwa im Hinblick auf Wohlstand, Sicherheit, Bildung beschreiben lässt, sondern auch von den Peripherien Migration, Armut, Sexarbeit, richten zwei Projekte ihre Aufmerksamkeit auf die komplexen Ausschlussmechanismen und ihre Verbindung zur Ideologie Zwinglis und seiner Mitstreiter.

Projekt 1
Während Ehefrauen eine Aufwertung und ein gewisser Rechtsschutz beschert wurde, gerieten alleinstehende Frauen unter den neuen Zürcher Sittengesetzen immer stärker unter Generalverdacht, wurden kriminalisiert und an den Rand der Stadtgesellschaft gedrängt. In einer forschenden Haltung nähern sich die Künstlerinnen Lena Maria Thüring und Brigitte Dätwyler in Kooperation mit Klientinnen der FIZ den vergessenen und verdrängten Zonen, den prekären Existenzen der Reformationszeit. Sie gehen von Prozessakten des Ehe- und Sittengerichtes aus und machen die Stimmen von Frauen, die in die Mühlen der Justiz gerieten, wieder hörbar. Gleichzeitig werfen sie einen kritischen Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Gemengelage in Zürich und schlagen dabei einen Bogen zur heutigen Situation, in der aktives Eingreifen dringend nötig ist.

Denn aufgrund der noch unzureichenden Inklusion der in den Peripherien existierenden und tätigen Menschen, entstehen schutz- und rechtsfreie Räume, welche den Handlungsraum für Täter und Täterinnen eröffnen.

Vulnerablere Menschen an der Peripherie laufen Gefahr ausgenutzt zu werden, während sich andere auf ihre Kosten bereichern. Ein Missstand gegen welchen bereits Zwingli anzukämpfen suchte, getrieben durch das Ideal der „göttlichen Ordnung“, in welcher alle Menschen gleich seien – wenn auch aus der Perspektive des Mittelalters.

Projekt 2
Gleichheit ist auch das Fundament unserer heutigen demokratischen Gesellschaft. Jedes Individuum hat Rechte und denselben Anspruch auf Schutz. Dieser Aspekt des zwinglianischen Gerechtigkeitsgedankens wird in einem weiteren Projekt aufgegriffen, welches das Augenmerk auf die Krux im heutigen Rechtssystem legt: den Zugang zum Recht.

In diesem Sinne führt das Pilotprojekt Zugang zum Recht die auf Fallebene bereits erprobte Kooperation der Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not RBS mit der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration weiter. Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines niederschwelligen spezifischen Schutzprogramms für Opfer von Menschenhandel im Asylbereich oder ohne geregelten Aufenthalt, das spezialisierten Rechtsschutz beinhaltet und den besonderen Gegebenheiten des Asylverfahrens oder eines ausländerrechtlichen Verfahrens angepasst ist. In dieser aktiven Intervention wird eine Arbeit wiederaufgenommen, die bereits in der Frühphase der Zürcher Reformation trotz aller Lücken und negativen Begleiterscheinungen ganz oben auf der Agenda stand: Die allgemeine Zugänglichkeit konkreter Hilfe für Menschen in Not.

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